Warum fast jeder Bestand verkäuflich ist

7. Januar 2026

Ist mein Bestand überhaupt verkäuflich? – Teil 4

Viele Makler fragen sich, ob ihr Bestand tatsächlich verkäuflich ist. Diese Unsicherheit zieht sich durch fast jede Nachfolgeplanung. Häufig entsteht der Eindruck, ein Bestand lasse sich „problemlos“ übertragen. Erst eine genaue Analyse zeigt dann, dass wichtige Voraussetzungen fehlen oder rechtliche Risiken eine direkte Übertragung verhindern. In der Praxis zeigt sich: Die wenigsten Bestände sind unverkäuflich. Die meisten wurden lediglich nie richtig verkäuflich gemacht.

Wenn die Realität den ersten Eindruck korrigiert

Ein Beispiel verdeutlicht das. Ein Makler wollte eine schnelle Bewertung seines Bestands. Er war überzeugt, dass ein Verkauf an einen bereits gefundenen Interessenten unkompliziert möglich sei und es nur noch um die Frage ginge, was denn ein angemessener Kaufpreis für den Bestand wäre. Das war allerdings ein Irrtum, denn oftmals steckt der Teufel im Detail oder die Werte des Bestands gar nicht in seinen wiederkehrenden Courtagen, sondern beispielsweise in den Marktzugängen des Maklers. In dem betreffenden Fall konnten wir dem Makler zeigen, dass seine Frage nach dem Wert eigentlich zum falschen Zeitpunkt gestellt worden ist. Als klar wurde, dass zentrale Bestandteile des Werts des betreffenden Bestands nicht ohne Weiteres übertragen werden können und er im Grunde mit einem Interessenten verhandelt hat, der gar nicht bereit war, für diese Werte einen angemessenen Kaufpreis zu bezahlen, musste er das Vorhaben verschieben und sich mit grundsätzlichen strategischen Fragen der Platzierung beschäftigen. Hätte er das nicht getan, hätte er seinen Bestand weit unter Wert an den vorhandenen Interessenten verkaufen müssen. 

Was Makler häufig unterschätzen

Dieser Fall ist nicht ungewöhnlich. Viele Makler unterschätzen den Aufwand, der notwendig ist, um einen Bestand wirtschaftlich attraktiv zu machen. Eine passende Rechtsform, aktuelle Dokumentation, DSGVO-konforme Prozesse und eine saubere Datenbasis sind keine Nebensächlichkeiten. Ebenso der Aufwand, um bestehende Marktzugänge und ihren Wertbeitrag transparent zu machen. Sie sind entscheidende Werttreiber. Gleichzeitig sehen viele Makler nicht, welche weiteren Vermögenswerte sie besitzen. Dazu gehören gewachsene Netzwerke, besondere Marktzugänge oder Geschäftsmodelle, die weit über die Zahl der Verträge hinausgehen.

Die häufigsten Gründe für Verkäufe unter Wert

Aus Sicht der Bewertungspraxis gibt es vier typische Ursachen, warum Bestände unter Wert verkauft werden:

1. Unklare Vermögensstruktur

Viele Makler konzentrieren sich ausschließlich auf ihre Verträge. Sie übersehen Netzwerke, Weiterempfehlungsquellen und Zugänge zu Kundengruppen, die oft einen erheblichen Teil des ökonomischen Werts ausmachen.

2. Zu späte Vorbereitung

Wer erst wenige Jahre vor dem Ruhestand beginnt, strukturelle oder rechtliche Defizite zu beheben, hat kaum noch Handlungsspielraum. Viele Maßnahmen brauchen Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten.

3. Fehlende strategische Planung

Einige Verkäufer akzeptieren das erste Angebot, ohne den Bestand zu optimieren oder Alternativen zu prüfen. Dadurch verschenken sie Potenzial, das sich mit überschaubarem Aufwand aktivieren ließe.

4. Rechtliche Fallstricke

Fehlende, veraltete oder „selbstgestrickte“ Maklerverträge, nicht übertragbare Courtageansprüche, Versäumnisse im Datenschutz oder eine ungünstige Rechtsform können den effektiven Kaufpreis erheblich reduzieren, obwohl sich für Laien der Vertrag harmlos liest.

Wann ein Bestand wirklich schwer verkäuflich ist

Wenn man sich als Makler rechtzeitig und systematisch an die Arbeit macht, gibt es nur wenige Fälle, in denen Bestände tatsächlich kaum übertragbar sind. Dazu zählen beispielsweise laufende oder drohende Rechtsstreitigkeiten mit Kunden, problematische Kapitalverflechtungen oder ein extrem hoher Spezialisierungsgrad auf ganz besondere Zielgruppen oder ganz spezifische Risiken. Der Großteil aller Bestände lässt sich jedoch mit der passenden Strategie in einen wirtschaftlich attraktiven Verkaufsgegenstand verwandeln.

Verkäuflichkeit entsteht durch Vorbereitung

Um einen Bestand verkäuflich zu machen, müssen Makler zunächst verstehen, welche Vermögenswerte überhaupt übertragen werden können. Anschließend braucht es eine klare Strategie, die zur individuellen Situation passt. Die Umsetzung erfolgt dann Schritt für Schritt – oft über Monate oder Jahre. Verkäuflichkeit ist daher kein Zufall. Sie ist das Ergebnis systematischer Vorbereitung.

Warum professionelle Unterstützung sinnvoll ist

Eine fundierte Begleitung verkürzt den gesamten Prozess und hilft, Fehler zu vermeiden. In vielen Fällen führt die Beratung nicht nur zu einem strukturell besseren Bestand, sondern auch zu einem deutlich höheren Kaufpreis. Der wirtschaftliche Nutzen übersteigt die Investition oft um ein Vielfaches.

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