AssCompact.de: Sind Unternehmenswert und Kaufpreis eigentlich dasselbe?

Fragen wie „Was ist denn mein Unternehmen wert? Was kann ich dafür verlangen?“ werden häufig gestellt. Dabei sind die Fragen nach dem Unternehmenswert und dem Kaufpreis zwei unterschiedliche Dinge. Der Versuch, es einfach zu erklären. Es bleibt dennoch kompliziert.

Geschäftsführer Andreas Grimm erklärt in seiner Kolumne von Juni 2020, welche Methode sich am besten für die Bewertung Ihres Maklerunternehmens eignet, stellt klar, dass die Ermittlung des Kaufpreises eine Aufgabe für Kenner ist und bei welcher Vereinbarung sogar die korrekte Berechnung des Kaufpreises nicht ausreicht.

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„Was ist denn mein Unternehmen wert? Was kann ich dafür verlangen?“ lautet eine häufige Frage, die mir gestellt wird. Dabei sind die Fragen nach dem Unternehmenswert und dem Kaufpreis zwei unterschiedliche Dinge. Der Versuch, es einfach zu erklären. Es bleibt dennoch kompliziert.

Für die Bewertung eines Maklerunternehmen eignet sich das modifizierte Ertragswertverfahren des Resultate Instituts. Es ermittelt den Unternehmenswert (von Fachleuten „Enterprise Value“ genannt) über die Summe der bereinigten, abgezinsten Ergebnisse nach Steuern im für das Unternehmen relevanten Bewertungszeitraum. Würde ein Käufer ein Unternehmen allerdings anhand des so berechneten Unternehmenswerts kaufen, würde er vermutlich einen nicht angemessenen Kaufpreis bezahlen. Vielleicht zu viel, vielleicht zu wenig.

Um das zu verstehen, hilft ein Blick in den Aufbau der Bilanz eines Unternehmens. Auf der Kapitalseite („Passivseite genannt“) finden sich zwei Hauptkategorien: Das Eigenkapital und das Fremdkapital. Wird ein Unternehmen verkauft, wird das Eigenkapital zu Marktwerten („Equitiy Value“) verkauft, je nach Rechtsform in Form von Geschäftsanteilen oder Aktien. Das Fremdkapital hingegen (z.B. verzinsliche Bankdarlehen oder Gesellschafterdarlehen) muss irgendwann durch das Unternehmen beglichen werden. Aus Sicht eines Käufers belastet es den Unternehmenswert.

Wer den Kaufpreis ermitteln will, darf vom berechneten Unternehmenswert jedoch nicht einfach das Fremdkapital abziehen. Denn das im Betrieb aufgebaute nicht betriebsnotwendige Vermögen würde in der Kaufpreisermittlung sonst nicht berücksichtigt werden, obwohl es mit verkauft wird. Dessen Ermittlung – eine Aufgabe für Kenner.

Doch Vorsicht: Das auch eine korrekte Berechnung des Kaufpreises allein reicht nicht aus. Zumindest dann nicht, wenn der Kaufpreis als Festpreis vereinbart wird. Denn es gibt viele zulässige Maßnahmen, die der Altinhaber guten Gewissens in der Zeit zwischen Vertragsunterzeichnung und Übergabe ergreifen kann, die zulässig sind, aber für erheblichen Ärger sorgen, wenn eindeutige Regelungen fehlen.

Eine dieser Maßnahmen ist beispielsweise die Ausschüttung von Gewinnen. Angenommen der Altinhaber beschließt noch schnell, 50.000 EUR als Gewinnausschüttung zu entnehmen, dann wird dadurch der Unternehmenswert nicht beeinflusst, sehr wohl jedoch der Equity Value. Eine Gewinnentnahme reduziert das Eigenkapital. Aus Käufersicht müsste der Kaufpreis jetzt entsprechend angepasst werden. Der Verkäufer könnte sich jedoch auf den vereinbarten Festpreis berufen. Ärger vorprogrammiert.

Ein anderes Beispiel: Wenn der Altinhaber vor der Übergabe noch schnell dem Lieblingsverein als „Abschiedsgeschenk“ getarnt als Sponsoringmaßnahme zukommen lässt, hat dies keinen Einfluss auf den Unternehmenswert. Der berechnet sich aus den erwarteten Erträgen nach Steuern. Dennoch wird es bei einer Festpreisvereinbarung Ärger geben, weil die finanziellen Mittel des Unternehmens und das Eigenkapital sich reduziert würden (bereinigt um den resultierenden Steuereffekt). Damit würde sich der Equity Value reduzieren und der Käufer eine Reduzierung des Kaufpreises fordern. Der Altinhaber dürfte das ggf. ganz anders sehen.

Drum bleibt bei Unternehmenstransaktionen nur eines: Wenn Sie richtig viel Ärger vermeiden wollen, vereinbaren Sie ganz genau, was in den kaufpreisrelevanten Zeiträumen gemacht werden darf und was nicht. Es kann im Zweifel um richtig viel Geld gehen.